Hallo Julia
Bestimmt ist Hundegesellschaft generell gut, denn wenn Amie nur ängstlich oder verunsichert ist, gibt ein gelassener Kollege ihr schon Sicherheit.
Olina ist als Junghund auch schnell mal verunsichert oder erschrocken und geht dann sofort hinter Sugus zum Schutz suchen. Sogar eher hinter ihn als hinter mich.
Über die Vorgeschichte von Sugus weiss ich leider auch nichts Genaues, einzig sein Geburtsdatum wurde übermittelt (10.4.2004). Er tauchte eines Tages in der Anzeige eines Schweizer Tierheims auf, als 15 Monate alter Mischling. Da ich schon damals Kooiker-infiziert war und eigentlich einen Welpen wollte, mein Mann aber auf Tierheimhund plädierte, gingen wir uns den süssen Gefleckten ansehen, der doch wirklich sehr viel Kooikerähnlichkeit aufweist. Und wie es dann so kommt, drei Tage später zog er bei uns ein!
Ich habe lediglich erfahren, dass er bei einer Frau gelebt habe, dann irgendwo in Norddeutschland in ein Tierheim abgegeben und von dort in die Schweiz geholt wurde. Seinem Verhalten nach zu schliessen war er ein reiner Wohnungshund, hatte von der Welt noch so gut wie nichts kennen gelernt.
Er war anfänglich sehr ruhig (möglichst nicht auffallen!) hat kaum gespielt, liess aber alles mit sich geschehen, irgendwie teilnahmslos, wie „ausgelöscht“. Ich wundere mich noch heute drüber, wie ein junger Hund so werden kann.
Eine Bindung entstand nur ganz allmählich, er hat sich aber sofort aufs Haus fixiert und die Geborgenheit darin wohl geschätzt. Als mir in der zweiten Woche mal die Flexileine aus der Hand rutschte, sich zusammenzog und dem Hund ans Hinterbein knallte, ist er so erschrocken dass er in Panik schreiend davon raste. Aber nicht einfach weg, sondern auf kürzestem Weg zum Haus zurück, seine Zuflucht!
Nach etwa 2 Monaten hat er gewinselt, wenn ich aus dem Haus ging, das hat wohl die erste Bindung angezeigt, aber bis er dann so richtig zu mir gehörte, hat‘s wohl so gegen ein Jahr gedauert – genau kann ich’s nicht sagen.
Sein „Trauma“ habe ich mir selber zusammen gereimt, aus dem Verhalten geschlossen: er wurde sicher nie an Autofahren gewöhnt, sondern einfach jedes Mal eingepackt und verfrachtet, und dann war alles weg, was er kannte. Dann kamen neue Menschen, fremde Umgebung, und das gleich viermal im ersten Lebensjahr, da muss es einen nicht wundern, wenn sich so etwas für immer einprägt. Er wurde bestimmt nirgends schlecht behandelt, aber auch nicht besonders liebevoll.
Um ihm die Angst zu nehmen, habe ich ihn anfänglich immer im Auto gefüttert. Diese positive Verknüpfung hatte Erfolg, er liebt jetzt das Auto, aber lieber im Stillstand! Nach etwa einer halben Stunde Fahrt beginnt er stets zu hecheln, ist angespannt, legt sich nie hin.
Nach etwa zwei Jahren hatte Sugus dann schon so viel Selbstvertrauen entwickelt, dass er meinte, die Welt gehöre nur ihm! Sein Territorium im Umkreis von mind. 1 km wurde vehement verteidigt, Radfahrer gejagt und geschnappt

, Hunde verbellt, harmlose Passanten angesprungen und Besucher in unserer Wohnung am Hosenbein „gebremst“. Heute kann ich sagen, wir haben alle brisanten Situationen gemeistert und aus Sugus ist ein freundlicher, verträglicher und folgsamer Hund geworden, der (fast) immer Freude macht.

Ich habe jedenfalls nie bereut, dass ich ihn aufgenommen habe.
So wirst du auch mit Amie noch Höhen und Tiefen erleben, es braucht Zeit und Geduld, aber es lohnt sich!
